In Memoriam Max Mannheimer

Gegen das Vergessen

+
Halten die Erringung wach: Schüler und Schülerinnen des Grafinger Gymnasium, hier mit Antje Berberich im Ebersberger Rathaus

Schüler des Grafinger Gymnasiums zeigen eine Ausstellung in Memoriam Max Mannheimer im Ebersberger Rathaus – sie verdienen sich großen Respekt

Ebersberg – Es war die persönliche Begegnung mit dem Holocaust-Überlebenden Max Mannheimer, der bei Schülern des Grafinger Gymnasiums bleibenden Eindruck hinterlassen hat. Mehr noch, Mannheimers Zeugnis hat die Zehntklässler tief bewegt. So sehr, dass sie nach dessen Tod im Herbst 2016 begannen – nicht im Unterricht, sondern in ihrer Freizeit –, sich mit der Geschichte und der Botschaft des Mannes zu beschäftigen, der von den Nationalsozialisten in Konzentrationslager deportiert wurde und sich seit den 1980er Jahren für die Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus engagierte hat. 

„Am Anfang,“ so erzählen die Schülerinnen Steffi Thurnhuber und Anna Oeckel, „haben wir überlegt, wie es am Besten geht, Mannheimers Botschaft in die Welt zu tragen. Wie können wir seine Erinnerung wachhalten?“ Daraus ist eine Ausstellung entstanden, die 2017 am Grafinger Gymnasium zu sehen war. Auf Einladung von Antje Berberich, Stadtarchivarin und Galeristin der Stadt Ebersberg, wird diese dokumentarische Schau nun seit vergangenem Dienstag im Ebersberger Rathaus gezeigt. „Gerade in der heutigen Zeit mit dem zunehmen Antisemitismus ist uns das ein großes Anliegen,“ erzählen die Schüler und ergänzen, „oft erscheint es uns so, als ob es inzwischen viele Menschen gibt, die vergessen haben, was im Nationalsozialismus passiert ist.“ Gegen Antisemitismus wollen sie sich einsetzen. Und das tun sie auch. 

Zum Beispiel mit ihrer Ausstellung. 20 Plakate haben sie nach umfangreicher Recherche entwickelt, die das Leben Mannheimers und die Zeitgeschichte dokumentieren. Es fängt an mit einer Tafel über den Nationalsozialismus. Anderen Plakaten sind mit schmerzvollen Namen betitelt, etwa mit Auschwitz-Birkenau. Die Schüler – inzwischen gehen sie in die elfte Klasse – haben Mannheimers Biografie zusammengetragen, seine frühen Jahre, die Kindheit und Jugend in Mähren, seine Zeit in Ungarisch Brod, wohin die Familie im Dezember 1938 floh, die grässliche Zeit in den Konzentrationslagern Auschwitz-Birkenau, Warschau, Dachau und dem Außenkommando Mühldorf, schließlich die Jahre nach 1945 bis zu seinem Tod. 

Mannheimer, der nach dem Zweiten Weltkrieg in München als Kaufmann arbeitete, begann in den 1950er Jahren zu malen, auch schrieb er seine Lebensgeschichte auf. Immer wieder berichtete er über sein Erleben im Nationalsozialismus auch in Schulen und so kam er über 30 Jahre auch ans Gymnasium Grafing. „Die Zeitzeugen werden immer rarer,“ sagen Steffi Thurnhuber und Anna Oeckel, „aber es ist so wichtig, die Erinnerung an diese schreckliche Zeit wachzuhalten.“ Das ist den Schülern mit ihrer Ausstellung eindrucksvoll gelungen. Ein wenig stolz sind sie natürlich – das ganz zu recht. 

Ihr Engagement zieht Kreise. Auf Grund ihrer Ausstellung wurden sie sogar zu einer Gedenkfeier anlässlich des ersten Todestages von Max Mannheimer in den Bayerischen Landtag eingeladen. Ihre Plakate haben sie für diesen Anlass in einem Buch zusammengefasst und der Präsidentin des Landtags Barbara Stamm überreicht. „Wir hätten nicht gedacht, dass das alles solche Ausmaße annimmt, aber wir freuen uns sehr.“ Stolz kann man auf diese jungen Menschen wahrlich sein, denn sie tun etwas Wesentliches, etwas das man sich wünscht von Generationen, die keinen persönlichen Bezug zu den entsetzlichen Zeiten des Nationalsozialismus mehr haben: sie kämpfen gegen das Vergessen und halten eine Erinnerung wach, die so wichtig ist für unsere Gegenwart mit der Zunahme von Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus. 

Die Ausstellung lohnt unbedingt. Neben den Plakaten der Schüler sind auch Malereien von Max Mannheimer zusammengetragen und dort ausgestellt. Die Ausstellung „99728, in Memoriam Max Mannheimer“ von Schülern des Gymnasiums Grafing im Ebersberger Rathaus ist bis 28. Februar Montag bis Donnerstag von 8 bis 17 Uhr, sowie freitags von 8 bis 12 Uhr zu sehen. 

Der Eintritt ist frei. „99728“ ist übrigens die Häftlingsnummer, die die Nazis Mannheimer am linken Unterarm eintätowiert hatten. Kees

Quelle: Anzeigenzeitungsverlag

Auch interessant:

Meistgelesen

Die Deutsche Bahn will Bürgermeinungen hören
Die Deutsche Bahn will Bürgermeinungen hören
Jugendkulturpreis 2018
Jugendkulturpreis 2018
Wichtiger Heim-Dreier geglückt
Wichtiger Heim-Dreier geglückt
Da laufen die Perchten
Da laufen die Perchten

Kommentare