Autorenlesung zum Thema Depression

„Papas Seele hat Schnupfen“

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Depressionen – eine erst zu nehmende Krankheit, die den Betroffenen viel Lebensfreude nehmen kann.

Wenn eine Familie mit der psychischen Erkrankung Depression umgehen muss

Region – Das kbo Inn-Salzach- Klinikum in Wasserburg lud vor Kurzem zu einer besonderen Autorenlesung ein. Claudia Gliemann, Autorin des Kinderbuches mit dem Titel: „Papas Seele hat Schnupfen“, trug ihre Lesung mit Gitarrenmusik und selbstkomponierten Liedern vor, die das Geschehen im Buch begleiteten. Ein Buch zu einem schwierigen und traurigen Thema, welches aber nie düster und schwer wirkt, sondern lebensbejahend und Mut machend. Das Buch wurde seit seinem Erscheinen 2014 mehrfach ausgezeichnet und die Autorin ist damit in Schulen und anderen Institutionen anzutreffen, um Kinder über das Thema Depression aufzuklären.

 Der Festsaal der Klinik war reichlich mit Besuchern gefüllt. Weitere Stühle mussten herbeigeschafft werden, so enorm war das Interesse an dem Thema – Familie und Depression. Prof. Dr. Peter Zwanzger, Leiter des Hauses und ärztlicher Direktor sprach beherzte Eröffnungsworte. „Vor allem“, so betonte er, „wüssten wir Erwachsenen oft schon nicht die richtigen Worte und es bedarf langer Gespräche, bis diese Krankheit erklärt sei. Wie schwierig sei es da, Kindern beizubringen und zu erklären, was Depression ist.“ 

Autorin und Verlegerin Claudia Gliemann gab zu Begeinn einen kleinen Einblick in ihre Arbeit mit Kindern und wie das Programm – Lesung und Lieder, bei den Schulklassen ankommt. Musik, wie jede andere künstlerische Ausdrucksform, gibt Kindern die Möglichkeit eine Sprachlosigkeit zu überwinden, die sich allzu schnell einstellt, wenn psychische Erkrankungen das Familiensystem bedrohen. Hier bei Claudia Gliemann dürfen die Kinder mitsingen oder ihre Wut und Traurigkeit, bei dem ein oder anderen Lied, in den Boden stampfen – sie lernen ihre Emotionen aktiv auszudrücken. 

Die Erwachsenen hier im Saal waren übrigens das ein oder andere Mal fast dazu verführt mitzusingen, so berührend trug die Autorin ihre Begleitmusik zum Buch vor. Mitgeklatscht und mitgewippt, wurde aber auf jeden Fall. Die kleine Heldin im Buch heißt Nele und lebt mit ihrer Familie im Zirkus. Ihre Eltern sind Seiltänzer und eines Tages, mitten in einer Vorstellung, traut sich der Vater nicht mehr auf das Seil. Als er die Vorstellung verlässt, sieht man ihm an, dass er geweint hat. Nele macht sich Sorgen, schämt sich sogar für ihren Vater, der immer der Starke war, traut sich nicht mit der Mutter zu sprechen, sie noch mehr zu belasten, als die Situation es schon tut, fürchtet um die Liebe des Vaters, sie fühlt sich einsam und hilflos. Von all diesen Gedanken, Ängsten und Gefühle bekommen die Eltern nichts mit. Aber auch Vater und Mutter von Nele haben Sorgen und Ängste: „Wäre so gern stark für dich. Ich möchte dir sagen wie es mir geht, so viel erklären und ich kann es einfach nicht.“, so die Botschaft vom Vater an das Kind. 

Wie wichtig es ist, miteinander zu sprechen und immer wieder das Wort zu finden, das ist das eigentliche Thema des Buches. Wie viele Dinge unausgesprochen bleiben, wie wir alle in solch schweren Situationen verstummen und dass es Mut braucht über seine Gefühle zu sprechen. Aber es lohnt sich, das vermittelt das Buch. Und es vermittelt auch zwischen den Gefühlen der Betroffenen, der kleine oder große Leser bekommt einen Überblick, lernt die verschiedenen Ängste und Sorgen aller Beteiligter kennen. 

Am Ende sitzen alle, wenn auch noch nicht ganz unbeschwert, am Tisch zusammen und feiern die langsame Rückkehr des Vaters in sein Leben, in die Familie. at

Quelle: Anzeigenzeitungsverlag

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