Afrikanische Schweinepest

„Wo ist die Rolle der Wildschweine?“

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Besteht im Landkreis die Gefahr vor der afrikanischen Schweinepest? Und ist es sinnvoll, 90 Prozent der Wildschweine deshalb zu schießen? Dr. Heinz Utschig, Forstbetriebsleiter in Wasserburg, gibt im Interview Auskunft

Landkreis – Bauern und Verbraucher – alle sind im Moment ein wenig nervös wegen der aus Tschechien drohenden afrikanischen Schweinepest. In den Medien werden Stimmen laut, die fordern, 90 Prozent der Wildschweinpopulation abzuschießen, um die Verbreitung beziehungsweise das Auftreten der Seuche zu verhindern. Dr. Heinz Utschig, Forstbetriebsleiter in Wasserburg und zuständig für die Staatsforste im Landkreis Rosenheim und Ebersberg, gibt im Interview einen kleinen Einblick über die Vorsichtsmaßnahmen, die rund um die Seuche und um das Wildschwein im Landkreis getroffen werden können.

Welche Rolle spielen Wildschweine bei der Verbreitung der afrikanischen Schweinepest?

Dr. Heinz Utschig: Man muss hier klar fragen, wo ist die Rolle der Wildschweine? Wenn Sie sich das Befallsgeschehen anschauen, dann war die Tierseuche zuerst in Litauen, dann dreihundert Kilometer weiter in Polen und dann ist sie erst hinter Prag wieder aufgetaucht, sprich sie hat einen großen Sprung gemacht. Da gab es immer zwei, dreihundert Kilometersprünge und das spricht eben dafür, dass es einen anderen Vektor gibt, als dass es ein Wildtierbestand ist. Wenn dieser verantwortlich wäre, würde die Verbreitung wie eine Welle verlaufen.

Wie kann der Bauer seinen Stallbestand schützen?

Utschig: Die Angst der Bauern ist groß und die Frage ist: Wie könnte die Seuche in den Stall kommen? Hier kann der Bauer seinen Bestand mit der Quarantänezone schützen. Und es gibt ein Aktionsprogramm, dass man das Schwarzwild eindämmt. Vor allem in Ostbayern will man eine Trennung zwischen den tschechischen und den bayerischen Beständen schaffen. 

„Wenn die afrikanische Schweinepest kommt, dann hat das nichts mit den Wildschweinbeständen zu tun“, sagt Forstbetriebsleiter Dr. Heinz Utschig

Haben wir hier im Landkreis überhaupt Handlungsbedarf?

Utschig: Der Ebersberger Forst ist zweigeteilt, mit seinem eingezäunten Wildpark und einer Fläche, die offen ist, wo die Wildschweine frei leben. Aus dem Wildpark kommt nur extrem selten ein Schwein hinaus oder hinein. Aber wenn die afrikanische Schweinepest käme, ist es völlig egal, ob da ein Zaun herum ist oder nicht. Wenn der Park dann in der Quarantänezone (15 Kilometer im Radius) oder in der Schutzzone (30 Kilometer) ist, dann liegt er mit in diesem Seuchenprogramm. Wenn eine Sau im Landkreis Ebersberg gefunden wird, die die Seuche hat, geht ein bestimmtes Seuchenprogramm an. Dann wird der Fleisch- und Tierverkehr eingeschränkt und für die Jagd gelten Bestimmungen, dass man in der Quarantänezone nicht mehr jagt, um die Tiere nicht in Bewegung zu bringen und in der zweiten Zone findet dann ein verstärkter Abschuss statt. Das alles, damit die Tiere aus der Quarantänezone nicht in Berührung kommen mit befallenem Tierbestand. Das heißt auch, ein Metzger aus dem Ebersberger Landkreis dürfte nicht mehr nach München liefern. Nachdem in diesem Landkreis die Wildschweindichte außerhalb des Wildparks eher gering ist, ist die Gefahr der Seuche eher niedrig. Aber wir arbeiten mit den Veterinärämtern zusammen und treffen unserer Vorkehrungen, um im Fall des Falles gut gerüstet zu sein.

Sprechen wir im Moment also nur von einer theoretischen Gefahr?

Utschig: Ja, und wenn die afrikanische Schweinepest kommt, dann hat das nichts mit den Wildschweinbeständen zu tun, dann ist das ein anderer Vektor.

Woher kommt es, dass wir hier im Landkreis so wenig Probleme mit der Höhe der Wildschweinbestände haben?

Utschig: Wenn Sie in Bayern dreißig Jahre zurückschauen, dann hat es praktisch nur im Jura, Spessart und im Wildpark Ebersberger Forst Wildschweine gegeben. Durch eine Reihe von Einflussfaktoren wie zum Beispiel die Klimaänderung, den verstärkten Maisanbau siedelten sich die Tiere dann auch bei uns an. Früher waren sie nur da, wo es die Buchenmast gab. Unsere Nadelwaldbestände sind nicht so ertragreich für die Schweine und deswegen haben die sich bei uns nicht so leicht ausgebreitet. Jetzt ist die Nahrungssituation für diese Tiere exzellent, deswegen verbreiten sie sich. In den letzten zehn Jahren nahm die Ausbreitung Richtung Süden zu. Aber die Jäger hier haben den ersten Ansturm gut unter Kontrolle bekommen und somit haben wir hier nicht wirklich ein Problem mit den Sauen. Das Interview führte Andrea Tretner

Quelle: Anzeigenzeitungsverlag

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